who | am I

V. April 2012

Es ist gar nicht so leicht, an sich selbst zu glauben.

In letzter Zeit habe ich mich zu sehr darauf konzentriert, mich mit anderen zu vergleichen. Das hat mich geschwächt, obwohl ich doch so viel Wunderbares zu sehen und spüren bekam.

Ich durfte Zeuge werden, wie Menschen durch das, was sie zu tun lieben, Schönheit erlangten. War es das Musizieren, Kochen, Go-Spielen, oder gar Jonglieren: überall habe ich dieses Gefühl von Einzigartigkeit und Einklang erleben dürfen - sowie die Hingabe und einfache Freude dabei...
Und überall begann ich, mich selbst und mein Gleichgewicht zu verlieren...

Denn wer bin ich, wenn ich nicht male?
Wenn ich keine Bilder erschaffe, keine Zeugnisse meines Ichs?
Wie teile ich meine Gefühle mit, wie lasse ich andere Menschen spüren, was ich empfinde?
Wie?

Sich solche Fragen zu stellen, hat nur zur Folge, dass sich ein unermesslicher Schaffensdruck aufbaut, welcher den Tod meiner Kreativität bedeutet.
Ich vergaß die Schönheit, verlor die Hingabe und betrog das, was ich liebe.

Das Malen ermöglicht mir, anderen Menschen nahe zu sein und mich "komplett" zu fühlen. Aber wenn ich mich auf ein Gedankenspiel einlasse, bei dem ich nur verlieren kann, werde ich mir selbst fremd und bin nicht länger ich.

Anstatt zu beneiden will ich wieder bewundern.
Wenn ich also voller Erstaunen sehe, was andere schaffen, so sollte mich dies nicht einschüchtern, sondern ermutigen, weiterhin meinen Weg zu gehen. Ich sollte Glück empfinden, dass es so viel Wunderbares gibt, das wir alle fähig sind, zu schaffen. Und die Freude und Geborgenheit genießen.

when music comes | back in your head

XXX. Januar 2012

Tegan and Sara - „Back in your Head”

Hierbei denke ich zurück an einen kalten Wintermorgen vor mehr als einem Jahr.
Ich stehe in meinem Zimmer: umgeben bin ich von hohen Wänden mit weiten Fenstern, die das diffuse Licht einer eisigen, grauen Landschaft herein lassen.
Die Atmosphäre ist jedoch keine düstere.
Sie ist lebendig, denn trotz der Kälte und des Lichts spüre ich ihn:
den Drang zu malen. Er ist allgegenwärtig.

Ich erinnere mich an manche Pinselschwünge, an den Geruch der Farben und des frisch gebrühten Kaffees.

Solche Erinnerungen sind Heimat. Und damit ein Wegweiser für die Zukunft. Es gibt keine Orte und nur sehr wenige Situationen und Menschen, die in der Lage sind, mir ein vergleichbar intensives und geborgenes Gefühl zu geben.

Die Musik jedoch bewahrt mir diese Momente.

everything | changes

XVIII. Dezember 2011

Heimat. Dieses Wort ist so viel bedeutsamer, als ich es mir je einzugestehen wagte.

Es gibt keine Worte, die ausreichen würden, um zu beschreiben, was ich fühle. Irgendwann fand ich doch noch immer zumindest treffende Vergleiche, Beispiele und Metaphern, um das mir bereits bewusste Fühlen ausdrücken zu können. Es bleiben aber immer nur Vergleiche - Schatten! - mit denen wir im Alltag auszukommen versuchen.

Nun...hat sich sehr vieles geändert.
Neue Orte, neue Menschen, neue Themen, neue Eindrücke und Erfahrungen. Alles ist so neu, so wunderbar, aber auch so erschreckend verunsichernd. Und erst jetzt fällt mir wieder auf, wie unzureichend unsere Sprache ist, wie wenig sie doch letztendlich auszudrücken vermag.

Wo mir im einen Moment noch tausende Formulierungen im Kopf umherschwirren, die allesamt den Anspruch stellen, meine Emotionen auszudrücken, verstummen meine Gedanken im nächsten Moment schlagartig:
Es bleibt mir nur die Kunst.
Und so gibt es keinen Akt des Worte-Sprechens mehr, wie auch keinen weiteren Versuch. Ich nehme die Farben zur Hand und hoffe, das Unaussprechliche auszusprechen. All meine Angst und meine Unsicherheit werden mir genommen, denn ich erkenne eine Konstante in allen Dingen, die ich erfühle. Diese Konstante ist mein künstlerisches Schaffen selbst, das durch Veränderung überhaupt erst definiert wird.

Heimat.

Meine Heimat liegt in den Herzen derjenigen Menschen, die in mir den Drang zum Malen erwecken.
Heimatlosigkeit werde ich nicht kennen, solange ich diese unaussprechliche Grazie und Geborgenheit aussprechbar machen darf.

umzugsstress |

XIV. September 2011

Der Umzugsstress hat es sich heraus genommen, mich in bezug auf diese Seite und meine Kunst scheinbar nachlässig geworden lassen zu sein.
Wie ihr aber seht, ist auch meine Kunst voll und ganz in diesen Prozess integriert.
Bald geht es weiter.

Ein guter Kauf |

II. August 2011

Als ich heute eine neue Photographie von Aeria Gloris schoss, wurde mir mit einem Mal klar, WIE sehr meine neue Spiegelreflexkamera mein künstlerisches Dasein bereichert hat. Aber schaut euch den direkten Vergleich zwischen neuer und alter Photographie einfach selbst an!

Phthaloblaue Träume |

XXX. Juli 2011

Vor drei Nächten träumte ich von einem Bild, das ich malen würde. Vor mir sah ich auf dieser Traumleinwand eine dichte Waldlandschaft von weit oben, die gänzlich ins Blau gehüllt war.
Einzig ein paar erlesene Bäume erstrahlten in herbstroten und -gelben Tönen. Sie strahlten so satt, dass es auf die benachbarten Bäume überzuspringen drohte.

Dann blickte ich weiter hinauf zum Horizont, und sah am Himmel über diesem phthaloblauen Wald Verstrebungen aus Linien und Formen, wie sie meinen Bildern zu eigen sind.
Seitdem hält mich dieses Traumbild fest, sodass ich es wohl oder übel werde malen müssen.

Pinsel zu Pinsel |

XVI. Juli 2011

Je chaotischer der Verstand, desto geordneter das Ablagesystem. Nun, ich jedenfalls bin froh, mein Material endlich wieder geordnet zu wissen.

Pinsel, Blöcke, Pasten, Firnisse, Stifte, Schnüre, Tücher, Siegel - alles ist an seinem Platz und in greifbarer Nähe.

Viel Platz habe ich mir dadurch geschaffen, den ich zum Malen auch einfach brauche. Am liebsten würde ich in einer Halle malen, in der es nur meine Farben, eine Staffelei und eine Leinwand darauf gibt.

Ich brauche Platz zum atmen. Mein Geist! braucht Platz zum atmen.

Keine unnötige Ablenkung, keine Deko, kein Klimmbimm!

Nur das Wesentliche:
Leinwand und Farbe.