stillstand | und heilung
III. Februar 2012
Nichts bleibt ohne Folgen.
Zitternd entstanden Kohlelinien auf einer Leinwand.
Zitternd ob der geballten Intensität, der sie zu Grunde liegen.
Immer wieder verwischt, erneuert... verworfen, begnadigt.
Man mag hier die Anfänge eines entstehenden Werkes sehen, gleichzeitig jedoch auch das Resultat unbändiger und wilder Gefühle, denen Form gegeben werden musste.
Ich weiß noch nicht genau, was mir den Boden unter den Füßen nahm; was mich lähmte und im selben Moment erschütterte. Aber während ich herauszufinden versuche, was es war...
...schaffe ich mir neuen Boden.
when music comes | back in your head
XXX. Januar 2012
Tegan and Sara - „Back in your Head”
Hierbei denke ich zurück an einen kalten Wintermorgen vor mehr als einem Jahr.
Ich stehe in meinem Zimmer: umgeben bin ich von hohen Wänden mit weiten Fenstern, die das diffuse Licht einer eisigen, grauen Landschaft herein lassen.
Die Atmosphäre ist jedoch keine düstere.
Sie ist lebendig, denn trotz der Kälte und des Lichts spüre ich ihn:
den Drang zu malen.
Er ist allgegenwärtig.
Ich erinnere mich an manche Pinselschwünge, an den Geruch der Farben und des frisch gebrühten Kaffees.
Solche Erinnerungen sind Heimat. Und damit ein Wegweiser für die Zukunft. Es gibt keine Orte und nur sehr wenige Situationen und Menschen, die in der Lage sind, mir ein vergleichbar intensives und geborgenes Gefühl zu geben.
Die Musik jedoch bewahrt mir diese Momente.
neulich | nachts
XI. Januar 2012
Mein Blick schweift ab.
Grade las ich noch ein Buch, nun schaue ich hinein in das sanfte, beruhigende Licht meiner Papierlampe.
Dabei lese ich dieses Buch nicht willkürlich.
Ich lese es für mein Studium, also für mich, für meine Zukunft:
es ist Teil dessen, worauf ich hinarbeite, um - ja aber um was?
Laufe ich nicht genau jetzt Gefahr, das Gefühl zu verpassen, auf das ich hinzuarbeiten versuche?
Ja, einer dieser Momente ist da.
Dafür lebe ich.
Ich bin noch nicht immun, noch nicht komplett blind auf kurze Distanz.
Ich spüre die Stille.
Sie ist genau richtig; genau jetzt befindet sie sich mit der eigenen Ruhe in Einklang.
Vielleicht ist es aber auch meine Ruhe, die sich die Stille zunutze macht und ihr entgegenkommt.
Das Hier und Jetzt aufmerksam zu leben.
Es mit offenen Augen zu betrachten.
Und stets wertzuschätzen...
Was es für uns bereit hält.
Habe ich begriffen.
Neulich Nacht.
le horizon | rouge
IX. Januar 2012
Not very rouge yet, i know.
Dieses Bild nimmt mehr Zeit in Anspruch als geplant.
Dabei ist es so eine Sache bei mir, so etwas wie die Arbeit an einem Leinwandwerk "planen" zu wollen.
Denn: es klappt nicht.
Vielmehr verstummen manche Bilder mitunter für lange Zeit.
Mitten in der Arbeit weiß ich nichts mehr mit ihnen anzufangen.
Auch bei diesem Bild, das ein Tribut an ein wunderbares kleines Café und damit verbundene Erinnerungen werden soll, verhält es sich nicht anders.
But somehow in the future, it may be finished.
And it definitely will NOT look like Leviathan.
I promise.
...for my dear | brother II
V. Januar 2012
Ich habe etwas Besonderes geschaffen.
Natürlich behaupte ich nicht von mir, dieses Bild zu irgendeiner Form von Perfektion gebracht zu haben.
Von meisterlicher Malerei bin ich noch sehr weit entfernt.
Und dennoch, es ist etwas Besonderes, was ich geschaffen habe.
Das Portrait meines Bruders abzuzeichnen und künstlerisch neu zu entwerfen, war wie eine Offenbahrung für mich.
Das erste Mal in meinem Leben erscheint er mir jünger zu sein als ich selbst.
Ich habe jede Facette einzeln betrachtet, sie abgewogen, beurteilt und gegebenenfalls in das Bild einfließen lassen.
Letztlich habe ich etwas endgültig verarbeitet, habe einen weiteren Mythos in meinem Herzen enträtselt, habe eine Zuneigung mehr gewonnen, und konnte zudem auch noch geliebte Menschen ein bisschen glücklicher machen.
...for my dear | brother I
XXIII. Dezember 2011
Ich habe die Liebe zum Zeichnen wieder entdeckt.
Mein Kopf befreit sich, ich konzentriere mich auf etwas Ganzes, alles andere ist verschwunden.
Ich konzentriere mich auf winzige Details, und:
alles andere ist verschwunden.
Es ist ein Aufatmen, denn nach Stunden der Arbeit erwacht man aus einer Trance, blickt auf all die Details, auf all das Ganze - und in all der Arbeit hatte der Geist Zeit, sich auszuruhen.
Und auch, wenn noch einiges zu tun ist, fühle ich mich leichter, und irgendwie erfüllter.
Ja, ich bin glücklich.
Wieder einmal.
Also weiter!
everything | changes
XVIII. Dezember 2011
Heimat. Dieses Wort ist so viel bedeutsamer, als ich es mir je einzugestehen wagte.
Es gibt keine Worte, die ausreichen würden, um zu beschreiben, was ich fühle.
Irgendwann fand ich doch noch immer zumindest treffende Vergleiche, Beispiele und Metaphern, um das mir bereits bewusste Fühlen ausdrücken zu können.
Es bleiben aber immer nur Vergleiche - Schatten! - mit denen wir im Alltag auszukommen versuchen.
Nun...hat sich sehr vieles geändert.
Neue Orte, neue Menschen, neue Themen, neue Eindrücke und Erfahrungen.
Alles ist so neu, so wunderbar, aber auch so erschreckend verunsichernd.
Und erst jetzt fällt mir wieder auf, wie unzureichend unsere Sprache ist, wie wenig sie doch letztendlich auszudrücken vermag.
Wo mir im einen Moment noch tausende Formulierungen im Kopf umherschwirren, die allesamt den Anspruch stellen, meine Emotionen auszudrücken, verstummen meine Gedanken im nächsten Moment schlagartig:
Es bleibt mir nur die Kunst.
Und so gibt es keinen Akt des Worte-Sprechens mehr, wie auch keinen weiteren Versuch.
Ich nehme die Farben zur Hand und hoffe, das Unaussprechliche auszusprechen.
All meine Angst und meine Unsicherheit werden mir genommen, denn ich erkenne eine Konstante in allen Dingen, die ich erfühle.
Diese Konstante ist mein künstlerisches Schaffen selbst, das durch Veränderung überhaupt erst definiert wird.
Heimat.
Meine Heimat liegt in den Herzen derjenigen Menschen, die in mir den Drang zum Malen erwecken.
Heimatlosigkeit werde ich nicht kennen, solange ich diese unaussprechliche Grazie und Geborgenheit aussprechbar machen darf.
