motivation | und ich

XX. Juni 2012

Es ist ganz egal, was ich mache, solange es nur aus meiner eigenen inneren Motivation heraus geschieht.
Man muss es verantworten können, man muss voll und ganz hinter der Sache stehen.
Ich finde Menschen mit einem so unabhängigen Lebensstil durchaus sexy.

Das ist es doch auch, was ich mir für mich selbst wünsche! Außeneinflüsse als Inspirationen wahrnehmen, nicht als Entscheidungsträger für mein Handeln.
Auf diese Art und Weise entstehen momentan meine Werke.
Äußere Einflüsse - in diesem Fall das engagierte Projekt dreier junger Frauen, welche die Kunst für jedermann greifbar auf die Straße zu holen versuchen - spornten mich an, das zu tun, was ich will.

Viel zu lange tat ich immer irgendetwas, aber gemalt habe ich nicht mehr.
Bis jetzt.

who | am I

V. April 2012

Es ist gar nicht so leicht, an sich selbst zu glauben.

In letzter Zeit habe ich mich zu sehr darauf konzentriert, mich mit anderen zu vergleichen. Das hat mich geschwächt, obwohl ich doch so viel Wunderbares zu sehen und spüren bekam.

Ich durfte Zeuge werden, wie Menschen durch das, was sie zu tun lieben, Schönheit erlangten. War es das Musizieren, Kochen, Go-Spielen, oder gar Jonglieren: überall habe ich dieses Gefühl von Einzigartigkeit und Einklang erleben dürfen - sowie die Hingabe und einfache Freude dabei...
Und überall begann ich, mich selbst und mein Gleichgewicht zu verlieren...

Denn wer bin ich, wenn ich nicht male?
Wenn ich keine Bilder erschaffe, keine Zeugnisse meines Ichs?
Wie teile ich meine Gefühle mit, wie lasse ich andere Menschen spüren, was ich empfinde?
Wie?

Sich solche Fragen zu stellen, hat nur zur Folge, dass sich ein unermesslicher Schaffensdruck aufbaut, welcher den Tod meiner Kreativität bedeutet.
Ich vergaß die Schönheit, verlor die Hingabe und betrog das, was ich liebe.

Das Malen ermöglicht mir, anderen Menschen nahe zu sein und mich "komplett" zu fühlen. Aber wenn ich mich auf ein Gedankenspiel einlasse, bei dem ich nur verlieren kann, werde ich mir selbst fremd und bin nicht länger ich.

Anstatt zu beneiden will ich wieder bewundern.
Wenn ich also voller Erstaunen sehe, was andere schaffen, so sollte mich dies nicht einschüchtern, sondern ermutigen, weiterhin meinen Weg zu gehen. Ich sollte Glück empfinden, dass es so viel Wunderbares gibt, das wir alle fähig sind, zu schaffen. Und die Freude und Geborgenheit genießen.

stillstand | und heilung

III. Februar 2012

Nichts bleibt ohne Folgen. Zitternd entstanden Kohlelinien auf einer Leinwand.
Zitternd ob der geballten Intensität, der sie zu Grunde liegen.
Immer wieder verwischt, erneuert... verworfen, begnadigt.

Man mag hier die Anfänge eines entstehenden Werkes sehen, gleichzeitig jedoch auch das Resultat unbändiger und wilder Gefühle, denen Form gegeben werden musste.

Ich weiß noch nicht genau, was mir den Boden unter den Füßen nahm; was mich lähmte und im selben Moment erschütterte. Aber während ich herauszufinden versuche, was es war...

...schaffe ich mir neuen Boden.

when music comes | back in your head

XXX. Januar 2012

Tegan and Sara - „Back in your Head”

Hierbei denke ich zurück an einen kalten Wintermorgen vor mehr als einem Jahr.
Ich stehe in meinem Zimmer: umgeben bin ich von hohen Wänden mit weiten Fenstern, die das diffuse Licht einer eisigen, grauen Landschaft herein lassen.
Die Atmosphäre ist jedoch keine düstere.
Sie ist lebendig, denn trotz der Kälte und des Lichts spüre ich ihn:
den Drang zu malen. Er ist allgegenwärtig.

Ich erinnere mich an manche Pinselschwünge, an den Geruch der Farben und des frisch gebrühten Kaffees.

Solche Erinnerungen sind Heimat. Und damit ein Wegweiser für die Zukunft. Es gibt keine Orte und nur sehr wenige Situationen und Menschen, die in der Lage sind, mir ein vergleichbar intensives und geborgenes Gefühl zu geben.

Die Musik jedoch bewahrt mir diese Momente.

neulich | nachts

XI. Januar 2012

Mein Blick schweift ab. Grade las ich noch ein Buch, nun schaue ich hinein in das sanfte, beruhigende Licht meiner Papierlampe.
Dabei lese ich dieses Buch nicht willkürlich.
Ich lese es für mein Studium, also für mich, für meine Zukunft: es ist Teil dessen, worauf ich hinarbeite, um - ja aber um was? Laufe ich nicht genau jetzt Gefahr, das Gefühl zu verpassen, auf das ich hinzuarbeiten versuche?

Ja, einer dieser Momente ist da.
Dafür lebe ich.

Ich bin noch nicht immun, noch nicht komplett blind auf kurze Distanz.
Ich spüre die Stille. Sie ist genau richtig; genau jetzt befindet sie sich mit der eigenen Ruhe in Einklang. Vielleicht ist es aber auch meine Ruhe, die sich die Stille zunutze macht und ihr entgegenkommt.

Das Hier und Jetzt aufmerksam zu leben.
Es mit offenen Augen zu betrachten.
Und stets wertzuschätzen...
Was es für uns bereit hält.

Habe ich begriffen.
Neulich Nacht.

le horizon | rouge

IX. Januar 2012

Not very rouge yet, i know.
Dieses Bild nimmt mehr Zeit in Anspruch als geplant. Dabei ist es so eine Sache bei mir, so etwas wie die Arbeit an einem Leinwandwerk "planen" zu wollen.
Denn: es klappt nicht.
Vielmehr verstummen manche Bilder mitunter für lange Zeit. Mitten in der Arbeit weiß ich nichts mehr mit ihnen anzufangen. Auch bei diesem Bild, das ein Tribut an ein wunderbares kleines Café und damit verbundene Erinnerungen werden soll, verhält es sich nicht anders.
But somehow in the future, it may be finished. And it definitely will NOT look like Leviathan.

I promise.

...for my dear | brother II

V. Januar 2012

Ich habe etwas Besonderes geschaffen. Natürlich behaupte ich nicht von mir, dieses Bild zu irgendeiner Form von Perfektion gebracht zu haben. Von meisterlicher Malerei bin ich noch sehr weit entfernt.
Und dennoch, es ist etwas Besonderes, was ich geschaffen habe.

Das Portrait meines Bruders abzuzeichnen und künstlerisch neu zu entwerfen, war wie eine Offenbahrung für mich. Das erste Mal in meinem Leben erscheint er mir jünger zu sein als ich selbst. Ich habe jede Facette einzeln betrachtet, sie abgewogen, beurteilt und gegebenenfalls in das Bild einfließen lassen.

Letztlich habe ich etwas endgültig verarbeitet, habe einen weiteren Mythos in meinem Herzen enträtselt, habe eine Zuneigung mehr gewonnen, und konnte zudem auch noch geliebte Menschen ein bisschen glücklicher machen.

...for my dear | brother I

XXIII. Dezember 2011

Ich habe die Liebe zum Zeichnen wieder entdeckt. Mein Kopf befreit sich, ich konzentriere mich auf etwas Ganzes, alles andere ist verschwunden.
Ich konzentriere mich auf winzige Details, und:
alles andere ist verschwunden.

Es ist ein Aufatmen, denn nach Stunden der Arbeit erwacht man aus einer Trance, blickt auf all die Details, auf all das Ganze - und in all der Arbeit hatte der Geist Zeit, sich auszuruhen.
Und auch, wenn noch einiges zu tun ist, fühle ich mich leichter, und irgendwie erfüllter.

Ja, ich bin glücklich.
Wieder einmal.
Also weiter!