Und so sitze ich erneut auf dem Boden meines Ateliers, halte die Augen geschlossen und lausche den Klängen Ludovico Einaudis. Ich höre, wie ich selbst tief einatme, und wische fast geistesabwesend die blau gefärbten Hände an meiner zerrissenen Jeans ab. Das Lied endet, ich blicke auf zur Leinwand und empfinde so etwas wie tiefes Glück. Und Dankbarkeit. Wieder einmal.
Sias Est | about
Seit ich denken konnte, zeichnete ich. Stets war es mir das Wichtigste, mich mit Bleistift und Papier austoben zu können. Das machte mich aus, das hob mich von den anderen ab, und gerne tat ich es sowieso.
Sehr viel später dann kam die Malerei hinzu.
Vielmehr zufällig als geplant öffnete ich mich der weiten Welt der Farben und lernte sie lieben.
Das war 2006.
Heute glaube ich, dass wir alle unsere Rollen im Leben spielen, und bin der Meinung, die meinige als Künstler mit Stolz und Leidenschaft angenommen zu haben.
Zwar ist ein jeder Mensch durchaus vielfältiger, aber wie viel von uns können wir der Allgemeinheit preisgeben?
Ich zeige euch hier den Künstler, den kreativen Verrückten, der euch mit blauer Farbe an der Hand dieselbige zur Begrüßung reicht.
Weil er es liebt.
Und lebt.
Das Malen ist für mich eine besondere Verbindung zu allen anderen Menschen.
So wie ich male und dies mit Leidenschaft tu, treffe ich auf Gleichgesinnte, die mit ähnlicher Leidenschaft ans Werk gehen, treffe auf Fürsprecher, die mir respektvoll entgegentreten, treffe auf Kritiker, deren Gedanken immer wieder anregend sind.
Ebenso gehe ich eine besondere Verbindung mit allem ein, was während des Malprozesses beteiligt ist:
die Musik, die ich höre, die Farben, die ich mische, die Kleidung, die ich trage...
Denn immer trage ich beim Malen meine Jeans, ein zerrissenes Relikt, das mir aus ganz persönlichen Gründen heilig ist.
Wenn ich dann vor meiner Staffelei stehe, die wie so oft ein schlankes Leinwandformat hält, so sind es Ölpastellstifte, Tücher oder meine bloßen Hände, die dann zum Einsatz kommen.
Sehr viel seltener sind es Pinsel, und dennoch haben sogar sie einen festen Platz in den Wirren meines Schaffens.
Die Inspiration, die ich dann benötige, finde ich in allen Dingen. Wieder ist es die Musik, die ich höre, wieder sind es wertvolle Erinnerungen von einst, immer jedoch sind es die Begegnungen mit Menschen, die mir widerfahren.
Sie lassen mich hoffen. Immer wieder.